Auf der UNLIMITED der Art Basel 2025 fand sich am hintersten Ende der Halle die Material-Installation von Danh Vo (*1975). In ihr präsentierte sich unverkennbar die im Zerfall befindliche US-amerikanische Flagge. Damit kommentierte der dänisch-vietnamesische Performance- und Konzeptkünstler eindrücklich, was in den Nachrichten und von Politiker:innen noch im Sommer 2025 angezweifelt wurde, oder nicht getraut unumwunden ausgesprochen zu werden: Das Ende der USA, wie wir sie kennen.
Erstmals hatte Vo die monumentale Installation aus Feuerholzscheiten und 13 Stahlsternen in seiner Londoner White Cube-Ausstellung vom 11. September bis zum 1. November 2020 gezeigt – noch vor der US-Präsidentschaftswahl. Damals war die Installation akkurat bis unter die Decke der Galerie gestapelt und wurde peu à peu im Laufe der Ausstellungszeit in einem kleinen Ofen verfeuert. Das weckte das Bild eines geordneten Zerfalls. Fünf Jahre und eine Wiederwahl später wurde das Auseinanderfallen auf der UNLIMITED zum anhaltenden Zustand. Das ist freilich dem Sicherheitsaspekt geschuldet, spricht aber dennoch Bände.
Die Installation schien im Juni 2025, sechs Monate in Trumps zweiter Amtszeit, aktueller denn je. „In God We Trust“, so der Titel der Arbeit, verweist vordergründig auf die extreme Gottgläubigkeit, insbesondere jener (evangelikalen) Bürger:innen, die Trump als von Gott gesandten Messias verehren und zur Wahl verholfen haben. Allerdings lässt der Titel noch in eine andere Richtung denken, prangt der Wahlspruch seit 1864 auf den US-Dollar-Münzen und per Deklaration des Kongresses seit 1956 auch auf den Geldscheinen. Gott und Geld, die Basis des US-amerikanischen Staates; beides erodiert.

Die Materialien sind symbolisch zu verstehen: Denn aus Holz und Stahl ist die moderne USA entstanden, auf ihnen ruht der Reichtum und die globale Macht. Man denke dabei an die Wolkenkratzer, die ohne Stahl nicht möglich wären oder die ehemals endlosen Weiten der Ebenenwälder, an die Planwagen gen Westen und Zugtrassen, mit denen das riesige Land erschlossen wurde – brutal den zahlreichen Stämmen der Indigenen geraubt.
Holz war der Rohstoff der Erschließung und Zünd- sowie Baustoff der Industrialisierung. Diese historische Bedeutungsebenen wird noch dadurch bestärkt, indem die dreizehn Sterne den Zustand von 1777 verraten – als die Vereinten Staaten erst dabei waren, zu werden, was wir heute dabei sind zu verlieren.
Danh Vo hat sich bereits 2016 künstlerisch mit der US-Flagge von 1777 beschäftigt als er einen Pappkarton mit Gold überzog, das die Streifen und 13 Sterne bildete. Auch das war als Kommentar auf die erste Wahl Trumps zu verstehen. Darin widerspiegelt sich diese peinliche Prunksucht, die sich in der Neugestaltung des Oval Office zeigt, das so vulgär voll Gold strotzt, oder in seinen architektonischen Vorhaben eines Ballhaus – größer als das Weiße Haus –, und einem monumentalen Triumphbogen als wäre Trump ein Cäsar oder Napoleon – er ist es nicht, wohl eher leidet er am Cäsarenwahn und/oder dem Napoleonkomplex.
2025 hatte Trump verlangt, dass das Verbrennen der US-Flagge strafrechtliche Konsequenzen haben soll und mit einem Jahr Gefängnis bestraft – eine Flagge wird mehr geschützt als Mensch und Natur. So gewinnt die Installation noch eine weitere Bedeutungsebene hinzu.
Danh Vo nimmt diese mit Inbrunst verehrte Flagge – Symbol einer Nation und ihres American Dream – und verwandelt sie in eine Elegie auf den Niedergang einer Supermacht. Mehr noch: Er entlarvt die Hybris einer Nation, die ihre Staatsflagge stolz vor weiß getünchte Gartenzäune hisst, während sie gleichzeitig unter dieser Flagge immer neue Kriege führt.
Und wenn gefallene Soldaten heimkehren, liegt auf ihrem Sarg eine US-Flagge – zeremoniell gefaltet zu Ehren der Toten und ihres Dienstes an der Nation. Der letzte Akt im Leben dieser Menschen gilt der sorgsamen Obhut der Flagge.
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